
Roll-up- und Werbebanner – Wie gestaltet man ein Großformatprojekt, das aus der Ferne gut lesbar ist?
Du stehst auf einer Messe. Um dich herum 50 Stände. Jeder hat einen Roll-up. Und dort siehst du ein Design, das so aussieht: Schriftart Arial 12pt, 15 Zeilen Text, Logo in Briefmarkengröße, Pastellfarben. Aus 2 Metern Entfernung ist das ein unleserliches Kauderwelsch. Großformatdruck ist NICHT ein vergrößertes A4. Es ist eine eigene Welt mit eigenen Regeln. Wenn du sie brichst – wird dein Banner unsichtbar sein. Hier ist ein Leitfaden, der dir Peinlichkeiten (und Geld) erspart.
Regel #1: Entfernung entscheidet über alles
Zuerst die entscheidende Frage: Aus welcher Entfernung werden die Leute dein Banner betrachten?
Das ist keine philosophische Frage. Es ist das Fundament des gesamten Projekts.
Lesbarkeitsformel
Es gibt eine einfache Regel in der Branche:
Betrachtungsabstand (in Metern) ÷ 300 = minimale Schriftgröße (in cm)
Beispiele:
- Roll-up auf Messen (wird aus 2-3m betrachtet) → Schriftgröße mindestens 0,7-1 cm Höhe
- Banner über dem Ladeneingang (5-7m) → Schriftgröße mindestens 1,7-2,3 cm
- Billboard an der Straße (20-50m) → Schriftgröße mindestens 6-16 cm
In Punkten (pt)? Roll-up für Messen = mindestens 70-100 pt für den Haupttext. Billboard = 500+ pt.
Einfachheitstest:
Drucke das Design im Maßstab 1:10 (also ein 2x1m Banner auf A4 drucken). Gehe 2 Meter zurück. Siehst du den Text? Wenn ja – dann wird es auf dem echten Banner aus 20 Metern gut sein. Wenn nicht – vergrößere die Schrift.
Regel #2: Maximal 7 Wörter
Das ist die schwierigste Regel für Kunden zu akzeptieren. Aber:
Ein Banner ist ein Billboard, keine Broschüre.
3-Sekunden-Regel
Ein Passant, der an deinem Roll-up/Banner vorbeigeht, wird ihm maximal 3 Sekunden Aufmerksamkeit schenken. In dieser Zeit kann er lesen:
- 5-7 Wörter (wenn sie OHNE Ablenkungen sind)
- 1-2 Wörter (wenn es grafisches Chaos gibt)
Formel für effektive Kommunikation
Ein gutes Banner besteht aus 3 Informationsebenen:
-
Überschrift (Hauptbotschaft): 2-4 Wörter
Beispiele: "Expressdruckerei 24h", "Dein Zuhause. Deine Energie.", "Perfekter Kaffee. Um die Ecke." -
Unterüberschrift (Erweiterung): 3-5 Wörter
Beispiel: "Banner, Flyer, Visitenkarten sofort verfügbar" -
CTA (Handlungsaufforderung): 1-3 Wörter
Beispiel: "Ruf an: 123-456-789" oder "www.name.de"
Summe: ~10 Wörter maximal. Alles darüber = Informationsrauschen.
Der schlimmste Fehler des Kunden: "Ich habe einen Quadratmeter Platz, also packe ich das ganze Angebot rein!". Ergebnis? Niemand liest etwas. Weniger = mehr. Ein Gedanke. Klar. Der Rest auf der Website.
Regel #3: Kontrast ist König
Siehst du grauen Text auf weißem Hintergrund? Auf dem Bildschirm sieht es "elegant" aus. Auf einem Banner aus 5 Metern? Unsichtbar.
Beste Farbkombinationen
Bewährte Paare (Text auf Hintergrund):
- Schwarzer Text auf gelbem Hintergrund = Höchster Kontrast in der Branche (deshalb sind Verkehrsschilder gelb)
- Weißer Text auf schwarzem/dunkelblauem Hintergrund = Klassisches Premium
- Roter Text auf weißem Hintergrund = Achtung! Aktion!
- Weißer Text auf rotem Hintergrund = Aggressive Energie (Fast Food, Ausverkäufe)
Kombinationen zu vermeiden
- Grau auf Weiß (aus der Ferne unsichtbar)
- Gelber Text auf weißem Hintergrund (verschwindet bei Sonne)
- Roter Text auf grünem Hintergrund (Probleme für Farbenblinde + Farbflimmern = Augenschmerzen)
- Hellblau auf Weiß (blass, ohne Charakter)
Kontrasttest:
Mache ein Foto des Designs mit dem Handy. Ändere es auf Schwarz-Weiß (Filter). Ist der Text immer noch lesbar? Wenn nicht – zu wenig Kontrast. Erhöhe den Helligkeitsunterschied zwischen Text und Hintergrund.
Regel #4: Schriftart zählt
Beste Schriften für Banner
Vergessen wir "elegante" Serifen (Times New Roman, Georgia). Auf einem Banner = unleserlich.
TOP 5 Schriften für Großformate:
- Helvetica / Arial – Die sicherste Wahl. Lesbar aus jeder Entfernung.
- Futura – Geometrisch, modern, hervorragender Kontrast.
- Impact – Dick, massiv. Ideal für Überschriften.
- Bebas Neue – Hoch, kondensiert. Passt in schmale Räume.
- Montserrat Bold – Moderne Sans-Serif, funktioniert gut für Tech/Startups.
Regeln der Großformat-Typografie
- Minimum Bold (Fettdruck) – niemals Regular/Light auf Bannern
- Versalien (CAPS) für Überschriften – aber nicht für alles (ermüdend für die Augen)
- Buchstabenabstände (Kerning) – leicht erhöht (+50-100) = bessere Lesbarkeit
- Zeilenhöhe (Leading) – mindestens 1,2x der Schriftgröße
Regel #5: Weniger Grafik, mehr Luft
Kunde: "Ich habe ein schönes Produktfoto, lass es uns als Hintergrund verwenden, und darauf den Text".
Grafiker: *seufz*
Problem von Fotos als Hintergrund
- Das Foto hat unterschiedliche Helligkeiten an verschiedenen Stellen
- Text auf dem hellen Teil des Fotos verschwindet
- Text auf dem dunklen Teil des Fotos kann auch verschwinden (wenn er schwarz ist)
- Ergebnis: Chaos
Lösungen
-
Teile das Banner in Zonen auf:
50% einfarbiger Hintergrund (z.B. schwarz) + Text | 50% Produktfoto. Klar, lesbar. -
Gradient Overlay:
Lege einen halbtransparenten Verlauf auf das Foto (z.B. von schwarz zu transparent). Text auf dem dunklen Teil = lesbar. -
Solider Kasten für Text:
Text auf einem vollfarbigen Rechteck (z.B. roter Kasten). Immer lesbar, unabhängig vom Hintergrund.
Auflösung: Wie viel DPI für ein Banner?
Diese Frage kommt immer wieder. Die Antwort: Nicht 300 DPI.
Entfernungsregel = Auflösung
| Format | Betrachtungsabstand | Erforderliche DPI |
|---|---|---|
| Roll-up (85x200cm) | 1-3 Meter | 100-150 DPI |
| Wandbanner (3x2m) | 5-10 Meter | 72-100 DPI |
| Billboard (6x3m) | 20-50 Meter | 25-50 DPI |
| Mesh (Netz) am Gebäude | 50-100 Meter | 10-25 DPI |
Warum so niedrig? Weil je weiter du schaust, desto weniger Details siehst du. Ein Billboard in 300 DPI zu drucken ist Datenverschwendung (und Geld – größere Datei = längerer RIP).
Echte Geschichte: Ein Kunde lieferte das Roll-up-Design als... Scan einer Visitenkarte (JPG 400x600 px). Er wollte es auf 85x200 cm strecken. Ergebnis? Pixelbrei wie in einem Spiel von 1995. Wir mussten das Design von Grund auf neu erstellen. Immer im Zielmaß gestalten (oder mindestens im Maßstab 1:2).
Checkliste: Vor dem Druckversand
-
Entfernungstest:
Drucke im Maßstab 1:10, gehe 2 Meter zurück. Lesbar? OK -
Anzahl der Wörter:
Weniger als 10? OK Mehr? Die Hälfte entfernen. -
Schriftgröße (Haupttext):
Mindestens 70pt für Roll-up? OK -
Kontrast:
Foto in Schwarz-Weiß immer noch lesbar? OK -
Schrift fett (Bold)?
Mindestens Bold, kein Regular/Light? OK -
Logo lesbar?
-
Beschnitt (Bleed) hinzugefügt?
+5cm auf jeder Seite (für Banner). Roll-up: +5cm oben und unten. -
Auflösung OK?
100-150 DPI für Roll-up, 72-100 DPI für Banner? OK
Häufige Fehler (und wie man sie vermeidet)
1. "Ich kopiere das Layout von einem A5-Flyer"
Problem: Ein Flyer in der Hand (30 cm von den Augen entfernt) ≠ ein Banner aus 5 Metern Entfernung.
Lösung: Von Grund auf neu im Zielmaß gestalten.
2. "10 Dienstleistungen, 5 Fotos, 3 Partnerlogos"
Problem: Informationslärm. Niemand wird etwas sehen.
Lösung: Eine Dienstleistung. Ein Gedanke. Ein CTA.
3. "Gradient-Hintergrund + bunter Text"
Problem: Text verschwindet im Teil des Gradienten.
Lösung: Einheitlicher Hintergrund oder Gradient mit solidem Textkasten.
4. "Das Logo ist zu klein, ich vergrößere es"
Problem: Logo von der Website (PNG 200x200px) auf 50x50cm gestreckt = Pixelbrei.
Lösung: Vektorlogo (AI, EPS, SVG) oder Export in 300 DPI im Zielmaß.
Typen von Roll-ups und Bannern – welches wählen?
Roll-up (aufrollbares Banner)
Standardgrößen: 85x200 cm, 100x200 cm, 120x200 cm
Wann: Messen, Konferenzen, Events (einfacher Transport)
Material: Glänzende/matte Folie, Blockout
X-Banner / L-Banner
Größen: 60x160 cm, 80x180 cm
Wann: Budgetalternative zum Roll-up (günstiger, aber weniger stabil)
Plus: Ultraleicht, passt in einen Rucksack
PVC-Banner (Mesh/Blockout)
Größen: Beliebig (von 1x0,5m bis 10x3m)
Wann: Outdoor (Gebäudefassade, Bauzaun, Outdoor-Event)
Mesh vs Blockout: Mesh = luftdurchlässig (Wind, Regen OK). Blockout = dicht (kein Lichtdurchlass).
Zusammenfassung: Dein Spickzettel
- Schriftgrößenformel: Entfernung (m) ÷ 300 = Höhe (cm)
- Maximal 7-10 Wörter auf dem gesamten Banner
- Kontrast: Schwarz auf Gelb = am besten. Grau auf Weiß = am schlechtesten.
- Schriftart: Sans-serif, mindestens Bold, 70pt+ für Roll-up
- DPI: 100-150 für Roll-up, 72-100 für Banner, 25-50 für Billboards
- Weniger Grafik, mehr Luft = bessere Lesbarkeit
Goldene Regel: Wenn du dich fragen musst "ist das lesbar?" – dann ist es NICHT lesbar. Vergrößere die Schrift x2.
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